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Mehr als Code: Wie AI-First-Entwicklung bei QAware Softwareentwicklung neu definiert

Geschrieben von Sabine Lange | 13.7.2026

Anastasia Hort hat in Russland Marketing studiert, sprach bei ihrer Ankunft in Deutschland nur „Hallo" und „Danke" und hat einen kompletten Neustart gewagt. Heute entwickelt sie bei QAware Software der nächsten Generation: AI-First und mit einer Perspektive, die wertvoll ist.


Der Reset-Knopf: Ein Umzug, der alles verändert

2014 machte es „Klick", als Anastasia ihre Koffer packte. Sie war bereit für ein neues, unbekanntes Kapitel. In Russland hatte sie Marketing studiert, als Web-Analystin in einem Softwarehaus gearbeitet und sich ein Leben aufgebaut. Und dennoch: „Da war ein Punkt, an dem ich bereit war, ein neues Leben anzufangen."

Sie sehnte sich nach Veränderung und spielte mit dem Gedanken, nach Moskau oder ins europäische Ausland zu ziehen. Durch eine fast schon schicksalhafte Fügung - eine gesuchte Mitfahrgelegenheit nach Moskau für ihre Chinchillas, für die es in ihrer Heimatstadt keinen Tierarzt gab - lernte sie ihren heutigen Mann kennen, der aus Deutschland stammte.

Gemeinsam entschließen sie sich, ein gemeinsames Leben in Deutschland aufzubauen. Als sie in Deutschland ankam, sprach sie kaum Deutsch und kannte außer ihrem Mann niemanden. Trotzdem überwog nicht die Angst, sondern die Vorfreude. Sie war fest davon überzeugt, dass sie ihren Weg finden würde, und hoch motiviert, sich in ihrer neuen Umgebung ein Leben aufzubauen.

Schon in Russland hatte sie ein leises Feuer gespürt. Als Web-Analystin arbeitete sie eng mit Software-Entwickler*innen zusammen und war fasziniert von deren Welt. „Bei ihnen war es immer so ruhig. Sie tippten diesen mysteriösen Code ein, und aus kryptischen Funktionen entstanden plötzlich großartige Webseiten." Dieser Moment ließ sie nicht mehr los. Da sie den deutschen Markt für Marketing ohnehin nicht kannte und in einem fremden Land bei null anfangen musste, war das der perfekte Moment für einen Neustart.

Was folgt, ist kein geradliniger Karriereweg, sondern etwas viel Interessanteres: eine Geschichte voller Wendungen und dem Mut, neu anzufangen.


Grenzenlose Entschlossenheit

Der Plan: Informatik studieren. Die Voraussetzung: C1-Deutschkenntnisse. Als Anastasia nach Deutschland zieht, spricht sie anfangs nur „Hallo" und „Danke". Statt herkömmlicher Integrationskurse investiert sie in intensive, selbst finanzierte Sprachkurse und schafft das Niveau in eineinhalb Jahren.

2017, ihre Tochter ist zwei Jahre alt, beginnt sie ihr Studium an der Technische Hochschule Rosenheim. Dass das Sprechtempo und die Dialekte an der Hochschule noch einmal eine eigene Herausforderung darstellen, hält sie nicht auf: „Ich bin kein geborenes IT-Genie. Ich musste unglaublich hart arbeiten, um meinen Bachelor und Master zu schaffen.” Was ihr half: ein Kommilitone, der ihr nicht nur das Programmieren, sondern auch die Sprache näher bringt und dem sie im Gegenzug mit Mathematik und Wirtschaft hilft.

Ihr Mann übernimmt währenddessen einen großen Teil der Familienaufgaben, damit Anastasia sich voll auf ihr Studium konzentrieren kann.

Heute teilt Anastasia ihr Wissen auf unterschiedlichen Plattformen. Hier an unserem Standort in Rosenheim.


Der Kurs Richtung Software Engineering

Nach dem Bachelor bekommt Anastasia sofort ein Angebot: Als technische Mitarbeiterin an der TH Rosenheim entwickelt sie in einem wissenschaftlichen AI-Projekt eigenständig zwei Web-Anwendungen. Von der Datenbank bis zum Server lag alles in ihrer Verantwortung. „Ich habe eine Anwendung zur Datenaufbereitung entwickelt, die dabei unterstützt hat, Daten für AI-Modelle aufzubereiten und für weitere Forschungs- und Analysezwecke nutzbar zu machen.”

Dann folgte ein Jahr bei einem großen deutschen Hersteller von Anlagen und Maschinen. Schon während ihres Praktikums im Bachelorstudium hatte sie davon geträumt, dort zu arbeiten, und ergatterte die begehrte Stelle dank ihres hervorragenden Zeugnisses. Dort war Anastasia in der Digitalisierungsabteilung. Sie lernte echte Teamarbeit, echte Prozesse und echte Verantwortung in einem Großunternehmen kennen. Da sie dort bereits bestehende Anwendungen pflegte, hatte sie allerdings weniger kreative Freiheit. Und es reifte die Erkenntnis, dass sie mehr will: mehr tiefgreifendes Software Engineering, weniger reines Domänenwissen.

Der nächste Schritt führt sie zu QAware, auf die sie durch die Hochschule und ein Video in den sozialen Medien aufmerksam wurde. Zunächst für ihre Masterarbeit. „Das Schreiben der Arbeit war perfekt, um das Unternehmen kennenzulernen und herauszufinden, ob die Firma wirklich zu mir passt.” Was sie sieht, bestätigt ihr Bauchgefühl. Sie gibt ihre bisherige Festanstellung auf, um als Masterstudentin bei QAware zu starten.


Die Rolle: Mentorin und Detektivin für AI

Heute arbeitet Anastasia als Software Engineer* in einem hochinnovativen AI-First-Projekt bei QAware, das intern auch „JoSeFine (JSF)“ genannt wird. Das dreiköpfige Team migriert den bestehenden JSF-Code 1:1 nach Spring Boot & React. Im Mittelpunkt steht die technische Migration, während die bestehende Funktionalität unverändert erhalten bleibt. Und fast ausschließlich im Dialog mit Claude, den das Team vorab gezielt auf seine spezifischen Regeln und Architekturen trainiert hat.

Ihr Arbeitstag beginnt mit dem Öffnen mehrerer AI-Agenten. Sie verteilt Migrationsaufgaben und begleitet deren Bearbeitung parallel. Ihre eigentliche Arbeit beginnt mit den Ergebnissen: Sie analysiert den erzeugten Code, bewertet die Vorschläge, entscheidet, welche Änderungen übernommen werden können, und arbeitet bei Bedarf gemeinsam mit der AI an weiteren Verbesserungen.

Ihr Beitrag zum Team ist konkret: Sie nimmt den Kolleg*innen Aufgaben ab, damit sich die Projektleitung auf Controlling und Strategie konzentrieren kann. Was hier von enormer Bedeutung ist, da es sich um ein kalkuliertes Festpreisprojekt handelt. Und die andere Kollegin kann sich voll und ganz um Kundenkommunikation und Abnahme kümmern. Ein kleines Team, das Großes schafft. Weil jede Rolle ihre Aufgaben effizient umsetzen kann.

 

Anastasia Hort teilt ihr Wissen auf dem Engineering Camp.


Das größte Learning: Neues annehmen, bevor man es versteht

Die härteste Herausforderung zu Beginn des Projekts war kein technisches Problem. Es war ein mentales Umdenken. Anastasia vergleicht die klassische Programmierung gern mit dem Schreiben eines Buches, bei dem man Struktur, Kapitel und Reihenfolge komplett selbst bestimmt.

„Plötzlich ging es nicht mehr darum, eine einzige Aufgabe Zeile für Zeile selbst zu tippen, sondern mehrere Migrationen parallel zu steuern".

Die Kontrolle abzugeben. An eine AI, die ihre eigene Logik hat. Das war ungewohnt. Der Code, der entsteht, ist nicht immer so, wie Anastasia ihn schreiben würde. Hinzu kam die extrem erhöhte Geschwindigkeit durch die AI, die von ihr plötzliches Multitasking forderte. Etwas, wovon wissenschaftlich erwiesen ist, dass das menschliche Gehirn es eigentlich gar nicht leisten kann, was anfangs mental fordernd war.

„Man muss diesen Wandel erst einmal annehmen und verstehen". Mit Zeit, Ausprobieren und dem Teilen von Best Practices im Team - insbesondere darüber, wie man AI-Instanzen am effizientesten parallel steuert - meisterte sie den Wandel. Ihr größtes Learning: Es gibt keine universelle Pauschallösung, man muss stets experimentieren. Flexibel bleiben ist die einzige Konstante.


Was QAware ausmacht: Fühlen, dass man wichtig ist

Wenn Anastasia über QAware spricht, kommt sie immer wieder zu einem Punkt zurück: dem wertschätzenden Umgang mit Menschen und dem Gefühl, gehört zu werden.

Jeder Tag beginnt im Team mit einer ehrlichen Runde, dem sogenannten „Lagerfeuer Check“. Wie geht es dir wirklich? Das ist bei QAware ein echtes Instrument zur Ressourcenplanung. Wenn jemand einen schwierigen Tag hat, sei es aus beruflichen oder privaten Gründen, werden Aufgaben abgenommen. Dadurch entsteht gar nicht erst ein Gefühl von Konkurrenz im Team. Im Gegenteil, Wissen wird extrem offen geteilt, um gemeinsam voranzukommen.

„Wer nicht bei QAware arbeitet, kann sich das wie ein starkes Sicherheitsnetz vorstellen: Du wirst ins kalte Wasser geworfen, um zu lernen, aber du weißt genau, dass dich im nächsten Moment fünf Hände auffangen, wenn du Hilfe brauchst“. Anastasia betont, dass sie jeden Tag unglaublich viel von ihren Kolleg*innen lernt. Mal aktiv durch Erklärungen, mal passiv durch reines Beobachten, wie andere auch in schwierigen Situationen mit Problemen umgehen.

Dazu kommen die Investitionen der Firma in die persönliche und fachliche Weiterentwicklung. Anastasia war im letzten Jahr auf mehreren Fachkonferenzen. Bekam die Möglichkeit, Paper zu schreiben, interne sowie externe Workshops zu besuchen, sich weiterzuentwickeln und an ihrem „Self Branding“ zu arbeiten. Und das Wissen, dass das eigene Homeoffice genauso cool und technisch gut ausgestattet sein ka@nn wie das Büro.

„Ich fühle mich hier wichtig. Und ich fühle, dass das, was ich tue, wichtig ist. Denn der Code, der am Ende entsteht, ist auch für den Kunden enorm wichtig.”

Und genau dieses Bewusstsein gibt ihr die Motivation, dieses Konzept immer weiterzutreiben und selbst noch besser zu werden.

 

Anastasia auf der PROFES - einer internationalen Konferenz für produktorientierte Verbesserung von Softwareprozessen.


Abseits des Codes: Von komplexen Strickmustern und purer Körperspannung

Doch wer denkt, Softwareentwickler*innen würden auch nach Feierabend nur vor dem Rechner sitzen, wird von Anastasia schnell eines Besseren belehrt. „Abseits vom Bildschirm schlägt mein Herz für Kreativität und Action“, erzählt sie.

Zum einen liebt sie das Handwerk: Nahezu alle Sachen, die sie trägt, hat sie selbst genäht. Zudem strickt sie leidenschaftlich gerne und entwirft dabei ihre ganz eigenen Pullover-Kreationen nach Maß. Dass sie dabei sogar eigene, sehr komplexe Strickmuster entwickelt, zeigt eine faszinierende Parallele zur IT: Sie erschafft aus einzelnen, strukturierten Bausteinen mit Hilfe einer klaren Logik etwas Großes und Maßgeschneidertes.

Zum anderen gibt es noch eine ganz andere, überaus sportliche Facette: Seit drei Jahren ist Poledance zu einer weiteren großen Leidenschaft geworden. Für Anastasia ist dieser Sport eine faszinierende Kombination aus Kraft, Eleganz und Kunst.

Für Anastasia sind diese Hobbys viel mehr als nur ein körperlicher Ausgleich zur Schreibtischarbeit. Sie sind ein Statement. „Ich bin stolz auf diese Facetten und möchte andere ermutigen zu zeigen: Man kann Software entwickeln und gleichzeitig extrem kreativ und sportlich sein“. Denn am Ende ist auch die Informatik für sie kein trockenes Tippen von Befehlen, sondern ein zutiefst kreativer und gestaltender Beruf, der einfach nur ein anderes „Handwerkszeug“ nutzt.


Ihr Rat an alle, die zweifeln

Anastasia ist Mutter, Quereinsteigerin und Software-Entwicklerin und ein Beweis dafür, dass auch schwierige Startbedingung gemeistert werden können.

Ihr wichtigster Rat an alle Frauen und Tech-begeisterten Menschen: Probiert es aus. Und gebt nicht auf, wenn am Anfang nicht alles sofort klappt. Viele in der IT wissen: Es braucht einfach Zeit, bis es im Kopf „klickt“. Doch wenn dieser Moment kommt, eröffnet sich eine wunderbar logische, systematisch gebaute Welt.

Die Welt der IT hat sich insbesondere durch den rasanten Fortschritt der Künstlichen Intelligenz stark verändert. Programmieren ist keine exklusive Magie mehr. Kommunikation, Empathie und das tiefe Verstehen von Kundenproblemen werden wichtiger den je. „Die wahre Kunst liegt heute darin, eine Aufgabe richtig zu durchdringen und die passende Lösung zu orchestrieren". Das öffnet gerade Frauen mit den unterschiedlichsten Hintergründen völlig neue Türen.

Und für alle, die sich fragen, ob Kind und IT-Karriere zusammenpassen: „Wie gut das klappt, hängt vor allem vom eigenen Zeitmanagement ab. Aber eben auch extrem vom Arbeitgeber. QAware ist hier absolut vorbildlich und bietet unheimlich flexible Bedingungen, die das Familienleben perfekt unterstützen“.

 

Anastasia Hort mit ihrer Tochter Tami in unserem Eltern-Kind-Büro.

Habt keine Angst. Brecht Stereotype. Und erschafft eure eigene Zukunft. Denn Softwareentwicklung ist entgegen vieler Vorurteile im Kern ein extrem kreativer und gestaltender Beruf, der sogar das logische Denken im Alltag schärft, sodass man Problemlösungen vorhersieht, selbst wenn man zu Hause nur einen simplen Spiegel an die Wand hängen möchte.

* Geschlecht, Herkunft etc. sind für uns keine Bewertungskriterien. Hauptsache, du bist genauso technologiebegeistert wie wir.